Pädagogisches Konzept

Pädagogisches Konzept

Das von uns verfasste pädagogische Konzept ist die Basis unserer Schularbeit und das Herzstück der Schule. Gleichzeitig ist es eine der Voraussetzungen für eine Genehmigung der Schule durch die Landesschulbehörde. Wir beschreiben darin unsere pädagogischen Ansätze, unsere Rahmenbedingungen und die Grundlagen des Miteinanders. Auch die von uns angestrebten bedürfnisorientierten Lernformen sowie die Lernmethoden für die einzelnen Bereiche (Schulfächer) werden im Konzept dargelegt. Alle von uns beschäftigen Lernbegleiter*innen setzen sich intensiv mit dem pädagogischen Konzept auseinander und setzen es in ihrer täglichen Arbeit in die Praxis um.

Auf dieser Seite fassen wir einige wichtige Aspekte aus dem Konzept für euch zusammen. Das vollständige pädagogische Konzept wird nicht zum Download abgeboten. Wir verschicken es auf Nachfrage aber gerne per E-Mail. Schreibt dazu einfach eine kurze Nachricht an info@freie-schule-osnabrueck.de.

Unsere pädagogische Arbeit orientiert sich an den zentralen Inhalten und Kompetenzen nach den Kerncurricula (Lehrplänen) der einzelnen Grundschulfächer. Unser Ziel ist, dass sich die Kinder innerhalb der 4 Grundschuljahre die Inhalte und Kompetenzen aus den Kerncurricula aneignen. Mithilfe folgender reformpädagogischer Ansätze wollen wir das verwirklichen:

Montessori-Pädagogik (Maria Montessori)

Das Menschenbild innerhalb der Montessori-Pädagogik führt zu einer einzigartigen Haltung gegenüber den Kindern, sie werden als der Baumeister ihrer selbst verstanden:

„Das Kind ist nicht ein leeres Gefäß, das wir mit unserem Wissen angefüllt haben und das uns so alles verdankt. Nein, das Kind ist der Baumeister des Menschen, und es gibt niemanden, der nicht von dem Kind, das er selbst einmal war, gebildet wurde.“

Maria Montessori

Dieses Menschenbild, das den eigenen Willen und die Fähigkeit des Kindes anerkennt, sich selbst zu bilden, ist ein Kerninhalt unseres Konzeptes. Es folgt daraus die Einsicht in die Gleichwertigkeit aller Menschen, ob Kind oder Erwachsener und mündet in einem von Respekt getragenen Umgang zwischen allen Beteiligten.
Wir schließen uns der Erkenntnis Maria Montessoris an, dass jedes Kind ein spontanes Bedürfnis hat, sich konkret-handelnd mit seiner Umwelt auseinanderzusetzen und dabei seine Persönlichkeit eigenständig ausbildet – also ohne „Ziehen“ und „Zerren“ durch äußere Instanzen.

Maria Montessori ging davon aus, dass jedes Kind über einen inneren Bauplan verfügt, nach welchem es sich entwickelt. Sie stellte in ihrer Arbeit mit Kindern immer wieder fest, wie deren Lernprozesse in sogenannten „sensiblen Phasen“ verlaufen. Darunter sind Zeitfenster zu verstehen, in denen eine besondere Empfänglichkeit und Motivation für bestimmte Inhalte besteht. Ist dann eine Umgebung vorhanden, in der selbstbestimmtes Lernen tatsächlich möglich ist, können die Kinder ihre sensiblen Phasen nutzen. Diese äußere Rahmenbedingung bezeichnet man auch als „vorbereitete Umgebung“.

Praxis der freien Alternativschulen (Rebeca und Mauricio Wild)

Auch bei den Pädagogen Rebeca und Mauricio Wild stehen die echten Entwicklungsbedürfnisse der Kinder im Zentrum allen Lernens. Während ihrer fast 25-jährigen Schulpraxis entwickelten sie die Montessori-Pädagogik jedoch entscheidend weiter. Sie gestehen den Kindern noch weitaus mehr Entscheidungsspielräume zu, um ihrem Bestreben nach Autonomie zu folgen und entsprechend ihrer entwicklungsbedingten Lerninteressen zu arbeiten.
Hinzugekommen ist auch die Einbeziehung der außerschulischen Umgebung. Sie sehen es als wichtig an, die Kinder in ihren Entwicklungsprozessen umfassend zu begleiten, sodass auch die enge Zusammenarbeit zwischen Familie und Schule angestrebt wird.

Zusammenfassung

Aus diesen beiden Ansätzen entwickeln wir für unsere Schule eine Lernumgebung, welche den Kindern vielfältige Entscheidungen und hiermit verbundene Erfahrungen ermöglicht. Die Kinder arbeiten in Freiarbeit mit den nach Montessori konzepierten Materialen. Sie lernen im freien Spiel, durch die freie Bewegung und durch die Kommunikation untereinander. Sie entdecken Neues bei Exkursionen, in Projektgruppen oder bei Kursangeboten. Daneben integrieren wir eine enge Zusammenarbeit zwischen Familie und Schule.

Im Folgenden möchten wir einige oben genannte Begriffe näher erläutern:

  • Vorbereitete Umgebung:
    Mit der vorbereiteten Umgebung stellen wir den Kindern eine Lernumgebung zur Verfügung, in der sie in strukturierter Weise Materialien zum selbstständigen Arbeiten vorfinden. Dadurch wird ihnen eine freie Entwicklung entsprechend ihrer jeweiligen Entwicklungsstufe bzw. sensiblen Phase ermöglicht. Die Lernbegleiter*innen nehmen sich dabei zurück und unterstützen die Kinder diskret in diesem Prozess der Selbstentfaltung. Ihnen kommt die Aufgabe zu, die Lernumgebung entsprechend den Entwicklungsstufen bzw. sensiblen Phasen der Kinder immer wieder neu zu gestalten, sodass sie den Kindern notwendige Orientierungsstrukturen bietet.
  • Freiarbeit:
    Die Freiarbeit an unserer Schule umfasst das materialbezogene Lernen innerhalb der vorbereiteten Umgebung und bildet einen wichtigen Raum zur freien Entwicklung. Angesichts eines vielfältigen Lernangebots setzt sich das Kind eigene Lernziele, wählt seinen Lerngegenstand selbst aus und entscheidet darüber, ob es alleine, zu zweit oder in einer Gruppe arbeitet. Auch die Dauer der Tätigkeit wird vom Kind selbst gewählt.

    Nicht alle Kinder sind von Beginn an zu dieser Selbstständigkeit in der Lage. Die Aufgabe unserer Lernbegleiter*innen ist es deshalb, die Kinder bei diesem Lernprozess aufmerksam zu beobachten und gegebenenfalls zu unterstützen. Haben die Kinder das selbstständige Lernen erst verinnerlicht, fällt es ihnen leicht, sich an der weiterführenden Schule wie auch im Erwachsenenalter Wissen und Kompetenzen selbstorganisiert anzueignen.
  • Freies Spiel:
    Als freies Spiel bezeichnen wir das Rollenspiel zwischen den Kindern. Es wird von ihnen selbst initiiert. Im freien Spiel finden wichtige Lernprozesse des Kindes statt:
    – Die räumliche Vorstellungskraft und Fantasie als Basis für weitere abstrakte Denkfähigkeiten bildet sich aus.
    – Die Kinder handeln mit neuerworbenem Wissen probeweise in der Welt und wirken gestaltend auf diese ein.
    – Sie verfeinern ihre kommunikativen – insbesondere argumentativen – Fähigkeiten, da immer wieder Abstimmungsprozesse über den weiteren Spielverlauf notwendig sind.
    – Sie üben sich im Regelmachen, wägen ab, was richtig und was falsch ist.
    – Die Kinder erproben im Rollenspiel ihr Wissen bezüglich bestimmter Verhaltensweisen (oftmals der von Erwachsenen) und entwickeln in diesen nachahmenden Aktivitäten Selbstvertrauen.

    Gemeinhin wird das freie Spiel im institutionellen Kontext der Kindertagesstätten noch akzeptiert, in den Regelgrundschulen jedoch üblicherweise auf die Pausenzeiten verbannt. Für das freie Spiel sehen wir einen eigenen Raum („Spielraum“), die Flure und das Außengelände vor, sodass andere Kinder bspw. in ihrer Freiarbeit nicht gestört werden.
  • Freie Bewegung:
    Zu jeder Zeit am Schulvormittag können sich die Kinder unserer Schule draußen (Außengelände) und drinnen (Toberaum, Flure) frei bewegen. Wir unterstützen damit die typisch kindliche Lernform der körperlichen Bewegung bzw. der Sinneserfahrungen, welche die Bedingungen für höhere kognitive Lernprozesse bilden.

    Das freie Bewegungsangebot ermöglicht den Kindern, die Grenzen des eigenen Körpers und der eigenen körperlichen Leistungsfähigkeit auf ganz individuellem Niveau zu erforschen. Auf diese Weise setzen sich die Kinder schrittweise neue persönliche Herausforderungen, die natürliche Freude an Bewegung und am eigenen Körper bleibt somit erhalten. Neben der freien Bewegung werden auch sportbezogene Kurse, unter anderem in einer Turnhalle, abgeboten.
  • Kurse & Projekte:
    Bei den Kursangeboten handelt es sich um Arbeitsprozesse mit festgelegtem Anfang und Ende. Mit Kursen unterbreiten die Lernbegleiter*innen Angebote für solche Inhalte und Kompetenzen, die sinnvoller Weise in einem bestimmten Zusammenhang angeeignet werden. Ein Kurs findet über einen bestimmten, je nach Art des Themas unterschiedlich langen, Zeitraum statt.
    Neben den Lernbegleiter*innen können auch die Kinder, ihre Eltern oder andere mit der Schule verbundene Personen Ideen für Kursangebote entwickeln und sich für die Durchführung bereiterklären.

    Außerdem arbeiten die Kinder in fächerübergreifenden Projekten zusammen. Hier werden Themenkomplexe behandelt, die Bereiche und Fähigkeiten mehrerer Grundschulunterrichtsfächer beinhalten. Ideen für Projekte erhalten die Kinder und Lernbegleiter*innen aus ihrer Lebenswirklichkeit, den schulischen Bedarfen, ihrem häuslichen Umfeld, dem freien Spiel oder aber über das Kennenlernen außerschulischer Lernorte.
    Projekte bieten eine unvergleichliche Chance, dass die Kinder die Anwendung und den Transfer von Spezialwissen ganz beiläufig erfahren, ohne dass sie sich dessen bewusst sind. Im Rahmen dieser praktischen Erfahrungen eignen sie sich intuitiv das nötige theoretische Wissen an, welches sie für ihre Ziele benötigen.
    Die Kinder können ihre Arbeitsergebnisse der Schulgemeinschaft, der Familie und/oder einer größeren Öffentlichkeit vorstellen.
  • Kommunikation:
    Gespräche – insbesondere im Kontext des freien Spiels und der gemeinsamen Bewegung – stellen eine der Haupttätigkeiten von Kindern dar. In der verbalen Kommunikation können die Sechs- bis Zwölfjährigen den für sie typischen Entwicklungsbedürfnissen nachgehen: dem Bedürfnis nach Erweiterung der sozialen Beziehungen und nach Orientierung in moralischen und sozialen Fragen. Deshalb ermöglichen wir viel Zeit für Gespräche zwischen den Kindern sowie zwischen Kindern und Lernbegleiter*innen.
  • Exkursionen & Ausflüge:
    Wir bieten regelmäßig Exkursionen und Ausflüge für interessierte Kinder an, bei denen sie unterschiedliche außerschulische Lernorte erkunden. Geplant sind folgende Aktivitäten:
    – Besuche im Theater
    – Bauernhöfe erkunden
    – Wander- und Radfahrtage unternehmen
    – eine dauerhafte Kooperation mit dem „werkraum Osnabrück“
    – Besuche bei dem „Aktiv-Hof“ in Bissendorf
    – eine mehrtägige Schulfahrt, mindestens einmal innerhalb der vier Grundschuljahre eines Kindes
    – und noch viel mehr

    Durch solche Ausflüge und Schulfahrten erweitern die Kinder ihre Kompetenz, sich in ihrer Umgebung und der Gesellschaft zu orientieren. Sie müssen sich unerwarteten Problemen stellen und versuchen, diese zu lösen. Sie machen reichhaltige Erfahrungen und gelangen durch gemeinsamen Austausch sowie weitere Recherchen und Auseinandersetzung (z.B. über das selbstständige Lernen in der Freiarbeit oder über Kursangebote) zu einem vertieften Verständnis dieser Erfahrungen.

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